Im Fokus: Selbstreflexion im Beruf

Im Fokus: Selbstreflexion im Beruf | Nadja Henrich

Mehr Klarheit, mehr Leistungsfähigkeit, mehr Zufriedenheit – die Wirkung, die Selbstreflexion im Beruf erzeugen kann, ist enorm. Und selbstverständlich nicht nur dort. Denn das eigene Denken und Handeln systematisch zu hinterfragen, ist für das zwischenmenschliche Miteinander generell von großer Bedeutung. Mehr dazu erfahren Sie in diesem Praxistipp.

Lesedauer: 3 Minuten

Was bedeutet eigentlich Selbstreflexion?

Diese Frage lässt sich gar nicht so leicht beantworten. Grundsätzlich ist damit die Fähigkeit gemeint, das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu hinterfragen. Das kann situativ erfolgen oder aber in Form eines regelmäßigen, systematischen Prozesses, um das eigene Wirken auf den Prüfstand zu stellen.

In diesem Beitrag konzentriere ich mich vor allem auf die regelmäßige Selbstreflexion im Beruf. Dabei rückt in der Selbstschau nicht nur das „Ich“ als Person in den Vordergrund, sondern auch die Wirkung, die ich als Person in meiner direkten Umgebung erziele. Zu dieser zählen im beruflichen Kontext etwa Führungskräfte und Teamkollegen, aber auch Kunden und Geschäftspartner.

Selbstreflexion – das sollte man sich bewusst machen – ist ein gedanklicher, innerlicher Prozess, den man bewusst forcieren und steuern kann. Eine Möglichkeit, um das zu tun, ist die Beantwortung zentraler Leitfragen wie:

  • Wie habe ich eine bestimmte Situation in der Vergangenheit wahrgenommen? (Es kann sich natürlich auch um eine Phase in der Gegenwart handeln)
  • Wie habe in dieser Situation reagiert?
  • Was habe ich gedacht?/Wie habe ich mich gefühlt?
  • Was habe ich konkret gesagt/getan?
  • Warum habe ich so reagiert?
  • Waren noch Andere beteiligt?
  • Wie erging es mir in der Situation?
  • Etc.

 

Warum Selbstreflexion im Beruf wichtig ist

Wer in der Lage ist, sein eigenes Wirken im sozialen Umfeld zu reflektieren, der kann daraus wertvolle Schlüsse für seine Entwicklung ziehen. Umso bedeutsamer ist, dass wir regelmäßig über uns nachdenken, gewissermaßen bei uns sind. Die kontinuierliche Selbstreflexion im Beruf hat zudem noch einen positiven Begleiteffekt: Sie macht uns widerstands- und handlungsfähiger, gerade auch in Krisensituationen oder beim Umgang mit Niederlagen. Wer bei sich ist, der behält also auch in herausfordernden Phasen einen klaren Blick. Die kontinuierliche Selbstreflexion kann ebenso dazu beitragen, die Beziehungen zu Kolleg*innen und Stakeholdern und somit die Zusammenarbeit zu stärken.

In meinen Coachings und Begleitungen mache ich immer wieder die Erfahrung, dass sich Menschen nach außen orientieren, sich gedanklich in ihrer Umwelt aufhalten, sich damit intensiv beschäftigen und ihr Umfeld sogar sehr klar analysieren. Was dann im nächsten Schritt aber leider manches Mal fehlt, ist der Rückbezug auf sich selbst. Einigen meiner Coachees fällt es schwer, sich mit sich selbst zu beschäftigen und dahingehend Fragen zu beantworten. Zum Beispiel:

  • Wo will ich in meinem Leben und Beruf hin?
  • Wofür stehe ich, was sind meine Werte und Bedürfnisse?
  • Was sind meine Stärken?
  • Wo ist mein Entwicklungspotenzial?
  • Was möchte ich ändern? Und wie kann ich das tun?

Es sind gerade diese ganz allgemeinen, situationsunabhängigen Fragen, die für die persönliche Entwicklung von größter Bedeutung sind. Wie ich aus meinen Coachings berichten kann, ist es wichtig, sein eigenes Ich zu hinterfragen, sich besser kennen zu lernen. Denn nur dann bin ich in der Lage, mein Leben glücklicher (oder erfüllender) und zielgerichteter zu gestalten. Wir brauchen eine hohe Klarheit, um uns zu verstehen, uns selbst zu führen, in bestimmten Situationen agieren und angemessen reagieren zu können. Ganz besonders wichtig – ich möchte behaupten: unerlässlich – ist das für Führungskräfte.

 

Zwischen Lern- und Leistungszone wechseln

Ein anschauliches Bild dazu liefert Eduardo Briceño. Der internatione Keynote Speaker befasst sich seit vielen Jahren mit Themen rund um die Persönlichkeitsentwicklung. Im November 2016 referierte er dazu bei der TEDxManhattanBeach und unterschied zwischen zwei Zonen, in den wir Menschen uns bewegen: Einer Lern- und einer Leistungszone. Erfolgreiche Menschen – so seine Auffassung – pendeln regelmäßig zwischen diesen beiden Zonen, ohne sich in einer davon zu lange aufzuhalten.

In der Lernzone wollen wir uns verbessern. Wir probieren Neues aus, nehmen Fehler in Kauf, entwickeln uns weiter. Man könnte auch bewusstes Üben dazu sagen. Und dabei bewegen wir uns aus der berühmten Komfortzone hinaus, wir nehmen Herausforderungen an und reflektieren uns.

In der Leistungszone wiederum wollen wir so gut wie möglich umsetzen. Fehler gilt es dementsprechend zu vermeiden. Denn unsere Performance ist dann gelungen, wenn keine Abweichungen stattfinden.

Es wird Sie vielleicht nicht verwundern, wenn ich Ihnen sage, dass sich viele Menschen am liebsten in der Leistungszone bewegen. Doch tun wir das ausschließlich, führt es irgendwann zu Stagnation. Denn Selbstreflexion findet in der Leistungszone nur bedingt statt.

Das Pendeln zwischen Lern- und Leistungszone erst führt zu Wachstum und Erfolg. Denn hohe Leistungsfähigkeit setzt nach Überzeugung von Briceño das Verständnis voraus, dass wir uns verbessern können. Wir benötigen zudem ein klares Ziel, einen Weg dahin und eine gewisse Fehlertoleranz.

 

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Zentraler Bestandteil von Coachings

Wir halten uns zu wenig in unserer Lernzone auf. Das kann ich auch in meinem beruflichen Alltag immer wieder beobachten. Denn es passiert auch sehr oft in Teams und ganzen Unternehmensbereichen. Das ist nachvollziehbar, denn schließlich steht die Performance von Einzelnen bzw. eines Teams im Rampenlicht. Dass es auch eine Lernzone braucht, um die Leistungsfähigkeit langfristig zu verbessern, muss allen Beteiligten erst einmal bewusst gemacht werden. Um dieses Bewusstsein herzustellen und zu manifestieren, bedarf es einer wichtigen Voraussetzung, nämlich einer kontinuierliche Selbstreflexion im Beruf.

Ich hoffe, dass ich Ihnen damit vermitteln konnte, wie bedeutsam dieses Thema in meinen Augen ist. Aus diesem Grund ist Selbstreflexion stets ein zentraler Bestandteil meiner Coachings – sowohl in gemeinsamen Terminen, als auch in Form einer wöchentlichen Reflexion, mit der ich auch konstant Verbindung zu meinen Coachees halte.

Da Selbstreflexion kein Selbstläufer ist, nutze ich die Power der wissenschaftlich fundierten Potenzialanalyse profilingvalues. Das ungewöhnliche und sehr effektive Testverfahren und die daraus gewonnen Ergebnisse bilden einen Entwicklungsspiegel ab, der im Coachingverlauf überaus wertvoll ist. Meine Coachees werden dabei eingeladen, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Am Ende bekommen sie im Rahmen eines Feedbackgespräches eine Übersicht mit eigenen Stärken und Entwicklungsfeldern vor Augen geführt.

>> Mehr Informationen zu „profilingvalues“

 

Als kleines Fazit? Es ist eine bereichernde und wundervolle Sache, wenn wir unser Denken und Handeln reflektieren. Denn es ist eine zentrale Grundlage für unser persönliches Wachstum, für Zufriedenheit, für Ausgeglichenheit und für Erfolg. Unter dem Strich machen wir es zu selten, da wir uns gerade im beruflichen Kontext häufig in der Leistungszone und seltener in der Lernzone befinden. Selbstreflexion im Beruf sollte dabei keine situative Erfahrung sein, sondern ein kontinuierlicher Prozess, den wir selbst anstoßen und fortan steuern. Wem das schwerfällt, der kann sich Unterstützung durch einen Coach holen. Gezielte Fragen, eine persönliche Begleitung und der Einsatz geeigneter Tools können hier eine Menge bewirken.

Möchten Sie sich gerne besser kennenlernen? Und suchen Sie nach einer Begleitung, die genau die richtigen Fragen stellen kann? Melden Sie sich gerne bei mir, ich freue mich darauf. Alles, was Sie dafür tun müssen, ist, dem Link weiter unten zu folgen und mir ein paar Fragen zu beantworten. Ich komme dann zeitnah auf Sie zu.

 

 

Titelbild: Swan (Krzysiek, Pixabay)