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Betriebliche Gesundheitsförderung

Wie Sie die Leistungsfähigkeit Ihrer Mitarbeiter nachhaltig stärken können

Im Interview mit Markus Weber, Dipl. Sportlehrer (univ.) und Geschäftsführer der Diagnostikzentren

Immer mehr Unternehmen erkennen, dass die Gesundheit ihrer Mitarbeiter ebenso wichtig ist wie die Produktivität und der betriebswirtschaftliche Erfolg. Gesunde Mitarbeiter bestimmen diese Faktoren maßgeblich mit. Die Investition in die Ressource „gesundes Personal“ lohnt sich und stellt eine klassische „Win-Win-Situation” dar. Wissenschaftlich analysiert bringt jeder investierte Euro 2 bis 6 Euro zurück.

Hierfür machen sich die Diagnostikzentren in Scheidegg, Kempten, Pfronten und Tettnang stark, deren Kunden deutschlandweit zuhause sind. Der Stammsitz in Scheidegg wurde vor 20 Jahren gegründet. Betrieben werden die Zentren von den beiden Sportwissenschaftlern Markus Weber und Manfred Günther. Mit über 15.000 sportmedizinischen Untersuchungen mit Leistungs- und Stoffwechseldiagnosen allein am Standort Scheidegg liegen den Instituten hohe Erfahrungswerte vor, gleichsam im Bereich des Leistungssports sowie im Bereich des Breiten- und Gesundheitssportlers als auch bei Sporteinsteigern.

Nadja Henrich (NH): Ich kenne Eure Diagnostikzentren seit knapp 10 Jahren, auch weil ich eine Stoffwechsel- und Leistungsdiagnose bei Euch gemacht habe. Was ich bis jetzt nicht wusste ist, dass die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) eine zentrale Säule eures Leistungsportfolios darstellt. Was ist unter BGF offiziell zu verstehen?

Markus Weber (MW): Betriebliche Gesundheitsförderung umfasst alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens im Arbeitsalltag. Ziel ist es, den Gesundheitszustand der Beschäftigten nachhaltigzu verbessern und so individuelle Erfolge in ein langfristig gesundes Unternehmen zu transferieren. Mitarbeiter wie auch Unternehmen profitieren davon. So steigern Mitarbeiter ihre körperliche und geistige Fähigkeit, sie entwickeln ein Gesundheitsbewusstsein, sie verbessern ihre Work-Life-Balance, sie bauen Stress ab und sie entwickeln eine erhöhte Stresstoleranz. Bei den Unternehmen führt es zu sinkenden Fehlzeiten und Krankheitsfällen, was wiederum zu Kosteneinsparungen führt. Es stärkt auch den Teamgedanken im Unternehmen und die Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt. Des Weiteren erhöhen Unternehmen so ihre Arbeitgeberattraktivität bei Bewerbern.

NH: Gibt es noch einen weiteren Anreiz für die Unternehmen?

MW: Ja, absolut. Die Maßnahmen der BGF sind bis zu einem jährlichen Betrag von 500 € pro Kalenderjahr je Mitarbeiter steuerfrei (§ 3 Nr. 34 EStG). Bisher war die Regelung so, dass Unternehmen gegenüber dem Finanzamt oftmals aufwendig nachweisen mussten, dass die BGF überwiegend im Interesse des Betriebes lagen. Dieses Verfahren entfällt nunmehr und die 500 Euro sind großzügig bemessen. Der Steuervorteil stellt einen weiteren Anreiz dar, in die BGF und damit in die Gesundheit der Mitarbeiter zu investieren.

NH: Wenn sich heute ein Unternehmen für die BGF entschieden hat, wie geht ihr vor?

MW: Idealerweise stellen wir unsere BFG im Rahmen eines Impulsvortrags auf der Betriebsversammlung vor, um so möglichst viele Mitarbeiter zu erreichen. Der Vortrag informiert die Mitarbeiter über das geplante Programm zur BGF. Außerdem werden die Mitarbeiter motiviert, daran teilzunehmen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass über den Vortrag vor allem inaktive Mitarbeiter aktiviert werden können. Das bedeutet, wir bekommen auch die Mitarbeiter (in die Gesundheitsförderung) in Bewegung, die es ohne Hilfe nicht schaffen und sonst nicht aktiv werden.

NH: Wie schaut euer Programm der BGF aus?

MW: Nach Absolvieren der sportmedizinischen Untersuchung, die inzwischen auch eine Rumpfdiagnostik umfasst, besprechen wir mit jedem persönlich die Ergebnisse und geben individuelle Trainingsempfehlungen. Das heißt, jeder bekommt seinen Trainingsplan, sowohl für den Ausdauer- wie auch für den Kraftbereich. Diese Pläne passen wir vierwöchentlich an. Im Ergebnis wissen die Mitarbeiter genau, wie sie ihre Gesundheit durch effektives Training zeiteffizient und nachhaltig steuern können. Ob Gewichtsverringerung, Blutdruckverbesserung, orthopädische Probleme oder einfach nur eine Steigerung der Fitness angestrebt wird. Die Mitarbeiter schätzen es, dass wir uns um sie kümmern. Unser Konzept ist dabei auf ein Jahr ausgelegt. Über einen Retest (also eine erneute Stoffwechseldiagnose) nach 4 bis 6 Monaten evaluieren wir die Ergebnisse. Das Unternehmen bekommt eine Auswertung kumulierter Daten über die Effektivität der gesamten BGF-Maßnahme, die zum Beispiel beinhaltet, die Mitarbeiter des Unternehmens haben 22,5 kg Körperfett verloren und sie erbringen 450 Watt mehr Leistung.

NH: Profitieren unter den Mitarbeitern nur die “Couch-Potatoes” oder auch die bereits aktiven Mitarbeiter?

MW: Bekannt ist, dass zahlreiche Sportler falsch trainieren. Dazu zählen beispielsweise diejenigen, die im Job „unter Strom stehen“ und ein sehr hohes Leistungspensum zu absolvieren haben. Sie ziehen das im Sport ebenfalls durch und übertreiben es. Andere wiederum sind sich nicht bewusst, wie viele Ressourcen ein unzureichendes Trink- und Schlafverhalten nimmt.

NH: Wir haben eingangs über die steuerliche Förderung gesprochen. Wie gestaltet sich die Kostenseite für die Unternehmen?

MW: Der Jahresbeitrag beträgt 440 Euro pro Mitarbeiter. Aus unserer Sicht ist ein Eigenanteil des Mitarbeiters wünschenswert, um die Wertigkeit der Maßnahme zu erhöhen. So könnte der Mitarbeiter zum Beispiel die Kosten für den Eingangstest (140.- €) tragen, die er dann bei seiner Krankenkasse einreicht und je nach Kasse Großteils erstattet bekommt.

NH: Wo liegt der Mehrwert, wenn Unternehmen und Mitarbeiter von euch betreut werden?

MW: Wir schaffen es immer wieder, eine hohe Teilnehmerquote zu erzielen, denn wir holen die Menschen dort ab, wo sie stehen. Individualität wird bei uns ganz großgeschrieben, da wir keine festen Kurse anbieten, sondern ein individuelles Paket mit persönlicher Betreuung schnüren. Unser Konzept belohnt zudem durch eine äußerst niedrige Drop-out-Rate (unter 10 %) bei gleichzeitig hoher Effektivität für den Mitarbeiter und letztendlich das Unternehmen. Bei klassischen BGF-Maßnahmen liegt diese Rate oft über 50 %. Die Drop-out-Rate bezeichnet im medizinischen Fachjargon die Probanden, die vor Beendigung die Maßnahme abbrechen.

NH: Jetzt haben wir viel über Gesundheits- und Leistungssteigerung bei anderen gesprochen. Hast du dir für dieses Jahr ein sportliches Ziel gesetzt, ich weiß ja du bist sehr aktiv?

MW: Wenn ich fit bleibe, will ich dieses Jahr am Berlin Marathon teilnehmen. Ein Highlight für viele Marathonläufer.

NH: Absolut, das kann ich nur bestätigen. Dann wünsche ich Dir jetzt schon viel Erfolg in Berlin und beim weiteren Ausbau der BGF. Meines Erachtens ist es ganz wichtig, dass  Unternehmen in die Leistungskraft ihrer Mitarbeiter zu investieren. Für jeden Einzelnen selbstverständlich auch. Vielen Dank für Deine Zeit und die interessanten Einblicke in eure Arbeit.