Vertrauen braucht Dosierung.

Transparenter, unregelmäßig geschliffener Kristall auf dunkler, strukturierter Oberfläche mit Lichtreflexen

Klarheit allein schafft kein Vertrauen. Empathie auch nicht. Es ist die Dosierung, an der Führungskräfte scheitern.

Eine Führungskraft, noch wenig Erfahrung in der Rolle, beschrieb sich im Sparring als „Harmonie-Junkie“. Über einen neuen Mitarbeiter sagte sie: „Ich versuche es immer auf die freundschaftliche Art. Der Kollege soll Spaß haben und sich bei uns wohlfühlen.“ Im Teammeeting wenig später zeigte derselbe Mitarbeiter Unmut, redete dazwischen, machte knappe Bemerkungen.

Wenn Freundlichkeit nicht führt

Die freundschaftliche Strategie hatte ihn nicht erreicht. Im Gegenteil.

Was hier sichtbar wird, kenne ich aus über 15 Jahren Sparring- und Coaching-Praxis. Es ist ein Muster: Führungskräfte, die Vertrauen aufbauen wollen, greifen zur Freundlichkeit. Die ist leichter verfügbar als Klarheit. Sie fühlt sich richtig an. Und sie kostet im Moment nichts.

Vertrauen entsteht durch Lesbarkeit

Aber Vertrauen entsteht nicht aus Wohlfühlatmosphäre (Mehr zu dem Thema Vertrauen finden Sie in meinem Beitrag: „Aufbau von Vertrauen: Ihre unsichtbare Superkraft). Es entsteht aus etwas Schwierigerem: Lesbarkeit. Aus dem Eindruck, dass ich weiß, woran ich bei meiner Führungskraft bin. Dass ihre Reaktion auf meine Arbeit vorhersehbar ist. Dass sie mir sagt, wenn etwas nicht passt – und nicht nur dann nett bleibt, wenn es passt.

Klarheit und Empathie richtig dosieren

Genau hier sehe ich im Sparring und Coaching eine wiederkehrende Schieflage. Führungskräfte zeigen primär eine Seite – Klarheit oder Empathie – und tun sich mit der Dosierung dazwischen schwer. Die einen sind so um Wohlbefinden bemüht, dass keine Orientierung entsteht. Die anderen so prinzipientreu, dass Menschen sich nicht gesehen fühlen. Beides untergräbt Vertrauen.

Die eigentliche Führungsleistung liegt im Wechsel. Im Erkennen: Diese Situation braucht jetzt Klarheit, auch wenn sie unangenehm ist. Diese hier braucht Empathie, auch wenn die Sache eigentlich zügig entschieden gehört. Und diese braucht beides – in genau dieser Reihenfolge. Worauf es dabei im Kern ankommt, habe ich in diesem Impuls „Emotionale Führungsstärke durch Empathie und Klarheit” näher beleuchtet.

Selbstwahrnehmung entscheidet

Das ist anspruchsvoller als ein konsistenter Stil. Es setzt voraus, dass eine Führungskraft sich selbst gut kennt: Wo liegen meine automatischen Reaktionen? Wann werde ich aus Unsicherheit gefällig, wann aus Bequemlichkeit hart? Welche Situation lese ich gerade nicht richtig? Eine gezielte Potenzialanalyse macht diese blinden Flecken sichtbar, bevor sie die Führungswirksamkeit untergraben. Eine kompakte Einführung in die Potenzialanalyse profilingvalues habe ich in meinem Folder zusammengestellt.

Ohne diese Selbstwahrnehmung bleibt die Führungskraft auf einer Seite hängen. Und das spürt das Team. Weiterführende Informationen finden Sie in dem Beitrag: „Gute Selbstführung – die vergessene Seite der Führungsarbeit”.

Wann kippt Ihre Klarheit in Härte, wann Ihre Empathie in Vermeidung?

Wenn Sie an dieser Stelle ein Gespräch auf Augenhöhe suchen, melden Sie sich gerne. Kontakt aufnehmen

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