Schweigen im Meeting: Symptom oder Ursache?

Transparenter, unregelmäßig geschliffener Kristall auf dunkler, strukturierter Oberfläche mit Lichtreflexen

Warum Beteiligung mehr braucht als gute Moderation

Eine Führungskraft sagte mir kürzlich im Sparring: „Die Teammeetings beschäftigen mich. Die Mitarbeiter sitzen und schweigen. Sie sagen kaum etwas.“ Nach einem Moment kam noch ein Satz: „Ich kann es mir nicht erklären. Genau das ist ja mein Problem.“

Meine Rückfrage: Was denkst du, woran könnte das liegen? Sie hatte darauf keine Antwort. An diesem Punkt fingen wir an zu arbeiten.

Schweigen hat selten eine einzige Ursache

Wer zu schnell nach Lösungen sucht, übersieht, was wirklich dahinterliegt. Denn nicht jede stille Runde braucht bessere Fragen, eine neue Moderationstechnik oder ein anderes Meetingformat.

Schweigen beschränkt sich nicht auf Teammeetings. Auch in Führungsrunden und Betriebsversammlungen bleiben Fragen aus, Einwände werden nicht geäußert und wichtige Perspektiven finden kein Gehör.

Die Bühne wechselt, das Grundthema bleibt ähnlich: ob Menschen sich sicher genug fühlen, offen zu sprechen. Im Kern ist das eine Frage von Vertrauen. Nur die Ausprägung ist jeweils eine andere.

Wie wenig eine formal offene Gesprächssituation darüber aussagt, ob Menschen tatsächlich sprechen, zeigt auch „Offene Tür – und trotzdem Schweigen“.

Was Menschen auf den verschiedenen Ebenen zurückhält

Im Teammeeting lohnt sich unter anderem der Blick darauf, welche Erfahrungen Mitarbeitende bisher damit gemacht haben, offen zu sprechen.

In einer Führungsrunde kann zusätzlich die Frage relevant werden, ob man sich vor Kolleginnen und Kollegen auf gleicher Ebene angreifbar zeigen darf, ohne dass es später zum Nachteil wird.

Führungskräfte stecken in der Betriebsversammlung in einer eigenen Zwickmühle. Sie sind gleichzeitig Zuhörer, Vertreter des Unternehmens und Vorgesetzte.

Das lässt wenig Raum, selbst offen zu fragen oder Zweifel zu zeigen, ohne dass es als Illoyalität oder Unsicherheit gelesen wird. Dazu kommt die Sorge, selbst etwas zu sagen. Wer hier das Wort ergreift, spricht vor der ganzen Belegschaft, vor Kollegen und vor dem Betriebsrat – nicht nur zur Geschäftsführung.

Psychologische Sicherheit zeigt sich im Umgang mit Widerspruch

Was diese drei Ebenen verbindet, ist ein Begriff, der heute schnell ausgesprochen, aber selten eingelöst wird: psychologische Sicherheit.

Gemeint ist damit etwas sehr Konkretes: das Gefühl, eine andere Meinung, einen Einwand oder eine unbequeme Frage äußern zu können, ohne dafür beruflich oder sozial etwas zu befürchten.

In vielen der Situationen, die mir geschildert werden, ist dieses Gefühl brüchig – unabhängig davon, ob es sich um ein Teammeeting, eine Führungsrunde oder eine Betriebsversammlung handelt.

Vertrauen zeigt sich im konkreten Umgang miteinander. Eine vertiefende Perspektive dazu bietet „Aufbau von Vertrauen: Ihre unsichtbare Superkraft“.

Auch Sicherheit entsteht nicht allein dadurch, dass Führungskräfte sie benennen. Entscheidend ist, wie sie sich im konkreten Führungsalltag zeigt. Mehr dazu lesen Sie unter „Warum gute Führung Sicherheit gibt“.

Nicht jede Beteiligung ist, was sie zu sein scheint

Manche Runden reden viel, bestätigen dabei aber nur, was von oben ohnehin schon feststeht. Das wirkt nach Austausch, ist aber keiner.

Wichtiger als die Redezeit ist, ob unterschiedliche Sichtweisen tatsächlich Platz haben.

Eine lebhafte Runde ist deshalb noch kein Beleg für Offenheit. Ebenso wenig lässt sich aus Schweigen allein ableiten, warum Menschen sich nicht beteiligen.

Nicht mit der Lösung beginnen

Zurück zur Führungskraft. Wir begannen nicht mit neuen Moderationstechniken. Zunächst betrachteten wir, wann sich das Team beteiligt, wann es still bleibt und was geschieht, wenn jemand widerspricht. Erst danach ging es um das Gespräch mit den Mitarbeitenden. Im Mittelpunkt stand keine Lösungsfrage, sondern aufrichtiges Interesse.

Vertrauen entsteht dabei nicht im Gespräch selbst. Es wächst erst mit jeder guten Erfahrung danach.

Was das für Ihre eigenen Runden bedeutet, lässt sich nicht pauschal beantworten. Das hängt von der Bühne ab, auf der Sie sich bewegen – und davon, wer Ihnen dort gegenübersitzt.

Aber die Frage dahinter bleibt überall dieselbe: Was passiert, wenn bei Ihnen jemand offen widerspricht?

Wenn Sie diese Frage genauer betrachten möchten, freue ich mich auf Ihre Nachricht. Kontakt aufnehmen

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