Offene Tür. Und trotzdem Schweigen.

Transparenter, unregelmäßig geschliffener Kristall auf dunkler, strukturierter Oberfläche mit Lichtreflexen

Je höher die Position, desto leiser wird es um Sie.

Sie fragen in die Runde. Kopfnicken, kurzes Schweigen, dann das nächste Thema. Niemand widerspricht, niemand ergänzt, niemand hakt nach. Die Gespräche sind kürzer geworden, die Initiativen weniger. Das sieht nach Einverständnis aus – ist aber oft das Gegenteil.

Mitarbeitende schweigen dann, wenn Offenheit riskanter erscheint als Zurückhaltung. Diese Dynamik nimmt mit wachsender Hierarchiedistanz zu.

Je mehr Verantwortung jemand trägt, desto dringender bräuchte diese Person klare Rückmeldungen – und desto schwieriger wird es, sie zu bekommen. Wer auf seine offene Tür vertraut, unterschätzt leicht, wie wenig davon tatsächlich dort ankommt. Die Abwesenheit von Widerspruch ist nicht automatisch ein gutes Zeichen. Sie kann ebenso auf Zurückhaltung hinweisen wie auf Zustimmung. Und genau diese Verwechslung fällt selten auf.

Negative Informationen kommen nach oben oft weichgezeichnet an. Nicht aus böser Absicht, sondern aus Vorsicht, aus Selbstschutz. Ohne ehrliches Korrektiv wächst die Lücke zwischen Selbstbild und tatsächlicher Wirkung. Schleichend, kaum spürbar, aber folgenreich.

Was in dieser Situation helfen kann, ist ein Gegenüber, das nicht Teil des Systems ist. Jemand, der keine Karriereinteressen im Unternehmen verfolgt und frei genug ist, auch unbequeme Beobachtungen auszusprechen. Nicht jemand mit fertigen Antworten. Eher jemand mit den richtigen Fragen. Und mit einem Raum, in dem auch das zur Sprache kommen darf, was im Unternehmen keinen Platz findet. Dort liegt der Unterschied zwischen gut gemeintem Feedback und tatsächlicher Klarheit.

Wann hat Ihnen zuletzt jemand im Team etwas Unbequemes gesagt, das Sie nicht hören wollten?

error: Content is protected !!