Die Zeit nach dem Stellenabbau

Transparenter, unregelmäßig geschliffener Kristall auf dunkler, strukturierter Oberfläche mit Lichtreflexen

Abgeschlossen ist noch lange nicht vorbei

Was passiert mit den Verbleibenden einer Restrukturierung, wenn im Unternehmen schon längst wieder von Zukunft gesprochen wird?

Nach einem Stellenabbau kommt der Moment, an dem wieder Normalität erwartet wird. Dabei zeigt sich meist, dass es diese Normalität nicht mehr gibt.

Zwei Führungskräfte erzählten mir unabhängig voneinander, dass sie glaubten, wenn der Stellenabbau mit seinen Kündigungen abgeschlossen ist und die Kollegen das Unternehmen verlassen haben, das Schwierigste geschafft sei. Beide merkten relativ schnell, dass der schwierige Teil nicht hinter ihnen lag. Er setzte sich fort – nur anders, in einer Situation, für die es ebenfalls keine Routine gab.

Wenn das Unternehmen schon weiter ist als die Menschen

Auf der einen Seite gibt es Erwartungen und Ergebnisdruck: Das Unternehmen muss nach vorne, die Ziele müssen erreicht und die Projekte weitergeführt werden. Auf der anderen Seite sind Stellen weggefallen, und die Aufgaben verteilen sich auf weniger Schultern.

Auf dem Papier ist die Organisation schon in der Zukunft – die Menschen, zumindest ein Teil von ihnen, sind es innerlich noch nicht.

Teamkonstellationen haben sich verschoben und Beziehungen müssen neu austariert werden. Vieles ist noch ungeklärt. Unter alldem auch die Frage, die selten offen ausgesprochen wird: Wieso hat es den Kollegen getroffen? Die Kollegin? Und wieso mich nicht? Nicht jeder empfindet das als Schuld. Manche spüren eher Erleichterung, andere Unsicherheit und wiederum andere Misstrauen – wie unterschiedlich Vertrauen in solchen Phasen sich verändern oder brüchig werden kann, habe ich in dem Impuls Vertrauen braucht Dosierung beschrieben.

Die doppelte Aufgabe von Führungskräften

Führungskräfte stehen in dieser Phase vor einer doppelt schwierigen Aufgabe. Sie sollen Orientierung geben und ihre Mannschaft stabilisieren, während sie selbst noch in den Entscheidungen und Gesprächen der vergangenen Monate stecken.

Das ist keine Frage von gutem oder schlechtem Führen. Die wenigsten sind auf diese Gleichzeitigkeit vorbereitet, weil sie in den wenigsten Restrukturierungs-Timelines vorkommt. Was hier oft fehlt, ist nicht Führungswille, sondern Selbstführung – dieser Seite von Führungsarbeit bin ich in dem Beitrag Gute Selbstführung – die vergessene Seite der Führungsarbeit genauer nachgegangen.

Erst der eigene Raum, dann die Stabilität für andere

In dieser Phase hilft selten mehr Kommunikation nach außen. Zunächst braucht es Raum für sich selbst. Einen Raum, in dem Führungskräfte ihre Belastungen einordnen können, bevor sie versuchen, für andere Stabilität herzustellen. Diesen Raum bietet ein Executive Sparring – ein Ort, an dem sich die eigene Situation und die damit verbundenen Führungsfragen sortieren lassen, unabhängig und vertraulich.

Was fällt Ihnen auf, wenn ein Unternehmen offiziell „durch“ eine Restrukturierung ist, aber die Menschen es sichtbar noch nicht sind?

Wenn Sie sich in dieser Gleichzeitigkeit selbst wiedererkennen, bin ich gerne für Sie da. Ich freue mich, von Ihnen zu hören.

error: Content is protected !!