Die Rolle ist da. Die Führung noch nicht.
Die Rolle ist da. Die Führung noch nicht.
„Das Menschliche fehlt zwischen meinen Mitarbeitenden und mir.“
Ein Teamleiter sagte das im Coaching. Seit Jahresanfang in der Führungsrolle. Fachlich versiert, erfahren, empathisch, respektiert und geschätzt. Und trotzdem stand diese Aussage im Raum.
Wenn Führungskräfte in der alten Rolle bleiben
Nicht, weil ihm seine Mitarbeitenden gleichgültig wären, ganz im Gegenteil.
Sondern weil er, wann immer die Arbeitslast im Team hoch war, zu den Aufgaben griff, die er kannte. Anfragen und Aufträge abarbeiten, Rückfragen klären, Probleme lösen. Das Vertraute. Das, womit er groß geworden ist und Wirkung erzeugt hatte.
Warum operative Arbeit Führungsarbeit verdrängt
Das ist kein Einzelfall. Beim Übergang in eine Führungsrolle zeigt sich dieses Muster immer wieder: Die Rolle wird formal übernommen, aber nicht aktiv ausgefüllt. Ein Fuß bleibt in der alten Welt. Im Vertrauten. Im Operativen.
Die eigentlichen Führungsaufgaben rückten dabei in den Hintergrund – Orientierung geben, Erwartungen klären, delegieren, Mitarbeitende entwickeln, Konflikte adressieren. Sie wurden aufgeschoben. Immer wieder. Bis irgendwann spürbar wurde: Da ist eine Lücke. Mehr zum Thema Führung, Rolle und Überforderung habe ich in dem Artikel „Als neue Führungskraft überfordert: Wie Sie Unsicherheiten meistern und in ihrer Rolle wachsen“ festgehalten.
Verantwortungsgefühl für die falsche Ebene
Was mich dabei beschäftigte: Er wusste es. Und er trug dieses Wissen schon eine Weile mit sich – als schlechtes Gewissen. Denn der Impuls, operativ einzuspringen, kommt selten aus Gleichgültigkeit. Hier kam er aus Verantwortungsgefühl. Nur eben für die falsche Ebene.
Wenn Erkenntnis noch kein neues Verhalten schafft
„Ich fülle meine Rolle noch nicht aus“ – das ist eine klare Selbstwahrnehmung.
Erkenntnis und Verhalten klaffen trotzdem auseinander. Vor allem dann, wenn das Operative den Kalender bestimmt und Führungsarbeit auf Freiraum wartet, der nicht kommt.
Reflexionsfragen für Führungskräfte
- Wo bin ich diese Woche eher in eine fachliche oder operative Rolle gerutscht, obwohl Führung gefragt war?
- Welche Führungsaufgaben habe ich diese Woche vermieden anzusprechen – und wieso?
- Wenn ich die Woche mit Abstand betrachte: Wo habe ich meine Rolle gestaltet, wo habe ich sie verwaltet?
- Wo habe ich eher reagiert als bewusst geführt – und was hat dazu beigetragen
- Welche Führungsaufgaben schiebe ich gerade vor mir her – und seit wann?
Führung bewusst gestalten statt nur reagieren.
Erfahren Sie hier, wie Führungskräfteentwicklung dabei helfen kann, die eigene Rolle bewusster wahrzunehmen und aktiv auszufüllen.
Wenn Sie jemanden suchen, mit dem Sie solche Fragen offen und ohne Nebenwirkungen besprechen können, freue ich mich auf ein Gespräch. Kontakt aufnehmen.
