Blinde Flecken gefährden Führung mehr als fehlendes Wissen.
Forschung zu kognitiven Verzerrungen zeigt, dass Menschen den Einfluss eigener Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster auf andere häufig unterschätzen. Das Problem sind nicht fehlende Stärken. Es sind Muster, die Vertrauen und Beziehungen untergraben, ohne dass sie der Führungskraft bewusst sind.
Stellen Sie sich eine Führungskraft vor, die in der Vorstandssitzung präsent und klar wirkt. Strategisch versiert, fachlich stark, kommunikativ sicher. Und trotzdem spürt das Team eine Distanz, die niemand benennt. Die Mitarbeitenden liefern, aber sie vertrauen nicht wirklich. Und keiner sagt es.
Forschung zum sogenannten Bias Blind Spot zeigt, dass Menschen kognitive Verzerrungen bei anderen leichter erkennen als bei sich selbst. Diese Asymmetrie betrifft nicht nur Berufseinsteiger. Sie kann auch erfahrene Führungskräfte betreffen, die über Jahre ein stabiles Selbstbild aufgebaut haben.
Mit zunehmender hierarchischer Verantwortung kann ehrliches Feedback seltener oder indirekter werden – Machtgefälle und soziale Risiken erschweren offene Rückmeldungen.
Was dann entsteht, ist eine Art Führungsblase. Man entscheidet auf Basis einer Realität, die andere längst nicht mehr teilen. Nicht aus Arroganz – der Zugang zu ungefilterter Rückmeldung fehlt schlicht.
Der entscheidende Punkt ist: Blinde Flecken sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind menschlich. Aber sie zu ignorieren, hat einen Preis – für Beziehungen, für Entscheidungen und für die eigene Wirksamkeit.
Gute Selbstführung beginnt deshalb nicht nur mit neuem Wissen oder weiteren Methoden. Sie beginnt mit der Bereitschaft, dort hinzuschauen, wo man sich am wenigsten verletzlich zeigen möchte.
Nicht, um sofort Lösungen zu finden. Sondern um sichtbar zu machen, was man allein kaum erkennen kann.
kaum erkennen kann.
Wo vermuten Sie Ihren eigenen blinden Fleck – und wer darf Ihnen das sagen?
