Augenhöhe ohne Klarheit ist keine Führung. Es ist Vermeidung.

Weißer Schriftzug „Augenhöhe ohne Klarheit ist keine Führung. Es ist Vermeidung.“ auf dunklem, bordeauxfarbenem Hintergrund.
Gerade dort, wo Verantwortung besonders hoch ist – auf Geschäftsführungs- und Bereichsleitungsebene – wird „Augenhöhe“ häufig missverstanden.

Führungskräfte sitzen Konflikte aus, weil Eingreifen als hierarchisch gilt. Sie halten sich zurück, obwohl Orientierung gefragt wäre.

Mögliche Folgen: Unklare Zuständigkeiten. Entscheidungen, die niemand trifft. Frustration im Team.

Wertschätzung und Klarheit sind keine Gegensätze – darauf weisen sowohl Praxiserfahrungen als auch verschiedene Führungskonzepte hin. Viele Mitarbeitende wünschen sich Beteiligung. Und zugleich Orientierung darüber, was erwartet wird – besonders in Phasen von Veränderung oder Unsicherheit.

Der israelische Psychologe Haim Omer prägte den Begriff „Neue Autorität“. Ein zentraler Gedanke: Autorität entsteht primär durch Präsenz, Beziehung und konsequente Haltung. Nicht durch bloße Machtausübung.

Das klingt erst mal weich. Ist es aber nicht.

Neue Autorität bedeutet: Ich bin da. Ich weiche nicht aus. Ich sage, was ich erwarte und was ich nicht akzeptiere – respektvoll und ohne abzuwerten.

Führen auf Augenhöhe heißt nicht, dass alle dieselbe Verantwortung tragen. Es heißt: Ich begegne dir mit Respekt und übernehme trotzdem meine Rolle als Führungskraft. Mit allem, was dazugehört.

Dazu gehört auch das Unpopuläre: Nein sagen. Entscheidungen treffen, die nicht allen gefallen. Konsequenzen aussprechen. Nicht aus Machtwillen. Aus Verantwortung.

Die Herausforderung liegt im Sowohl-als-auch: Nahbar und klar. Empathisch und konsequent. Zuhörend und entscheidungsfähig.

Meine Erfahrung: Wenn Führung beides verbindet – Beziehung und Klarheit –, wächst im Team oft ein Gefühl von Sicherheit. Konflikte werden eher angesprochen.

Augenhöhe entsteht nicht durch das Vermeiden von Führung. Sie entsteht durch ein Führen, das den anderen ernst nimmt und sich selbst auch.

Wie erleben Sie dieses Spannungsfeld in Ihrem Führungsalltag?

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